Der „Alte Recyclinghof in Hamburg-Hammerbrook ist der räumliche Bezugspunkt von Superimposition. Zeitliche Überlagerungen und translokale Bezüge markieren die (Ge)Schichten des „Alten Recyclinghofs“. Heute ist die 5.000 m2 große Fläche ein öffentlicher Raum, als Teil der geplanten Grünzugs des Alster-Bille-Elbe Grünzugs, die von der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) geplant und umgesetzt wird. Der ehemalige Recyclinghof wird seit 2019 durch das Projekt PARKS gemeinschaftlich und prozesshaft zu einer öffentlichen Grünfläche transformiert. Besonders geht es dabei um neue Formen und Formate der Aushandlung, Aneignung und Planung öffentlicher Räume. Im Fokus steht die behutsame und gemeinschaftliche Entwicklung aus dem Bestand.
Die Spuren vergangener Nutzungen sind auf dem Alten Recyclinghof noch deutlich sichtbar. Eine Hallenstruktur, Schilder, Markierungen auf dem Boden – und natürlich der Name selbst – erzählen von (Müll) Entsorgung, Recycling, Visionen von Stadt, Warenkreisläufen und Wirtschaftssystemen. Der Zweite Weltkrieg hinterließ ein zerstörtes Hammerbrook. Das ehemals dicht bewohnte Arbeiter*innenquartier lag viele Jahre brach, bis es zu großflächigen Gewerbegebietsnutzung umfunktioniert wurde. Den Alten Recyclinghof nutzte die Stadtreinigung Hamburg nach dem Krieg als Standort für unterschiedliche Dienste. Im Februar 1990 eröffnete auf dem Gelände Bullerdeich 6 schließlich ein Recyclinghof.
Das rote Backsteingebäude – das Parkhaus – am Eingang des Alten Recyclinghofs erzählt eine weitere Geschichte. Nach der verheerenden Choleraepidemie wurde auf dem Alten Recyclinghof 1892 die erste Müllverbrennungsanlage auf europäischen Festland erbaut, die bis 1924 betrieben wurde. Das heutige Parkhaus, das von PARKS als Projektbüro und Anlaufstelle genutzt wird, war zu jener Zeit ein Verwaltungsgebäude der Müllverbrennungsanlage.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurden in direkter Nachbarschaft zum Alten Recyclinghof, im Hochwasserbassin, italienische Militärinternierte und Russische Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit eingesetzt. Auf dem Gelände befand sich das Hauptlager der Hamburger Wasserwerke. 2022 entstand hier ein temporärer und von der Nachbarschaft selbst initiierter Erinnerungsort, der an die 219 italienischen Militärinternierte erinnert. Außerdem wurde von den Nationalsozialisten auf dem Gelände des Hochwasserbassins eine sogennate Desinfektionsanstalt errichtet in der Sinti*zze und Roma*nja vor ihrer Deportation ins Konzentrationslager zur “Entlausung” eingeliefert wurden.
Die (Ge)Schichten des Alten Recyclinghofs, eingebettet im Stadtteil Hammerbrook, sind vielzählig und verwoben. Manche Geschichten sind laut, andere leise, manche sichtbar und andere unsichtbar, es haben Kämpfe um die Erinnerung von Geschichten stattgefunden, andere werden noch geführt.
Durch die geplante Transformation des Stadtteils, der sich im Rahmen des Masterplans „Stromaufwärts an Elbe und Bille“ als Teil des Hamburger Ostens großflächig verändern wird, versuchen wir mit Superimposition die Sichtbarkeit unterschiedlicher (Ge)Schichten mit künstlerischen Methoden zu erforschen und sichtbar zu machen.